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Umgang mit Gewalt: Pflegende Angehörige benötigen mehr Unterstützung

Viele pflegende Angehörige haben bereits Erfahrungen mit Gewalt in der Pflege gemacht. Sie benötigen mehr Unterstützung, so der Schluss einer neuen Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) zu diesem Thema.


Das ZQP hatte deutschlandweit pflegende Angehörige im Alter zwischen 40 und 85 Jahren dazu befragt, welche Erfahrungen sie mit Konflikten und Gewalt in der Pflege gemacht haben. Fast die Hälfte hatte demnach bereits psychische Gewalt von Seiten einer pflegebedürftigen Person erlebt – zum Beispiel Anschreien, Beleidigung oder Einschüchterung. Von Erfahrungen mit körperlicher Gewalt berichten elf Prozent.

Angesichts der hohen Belastung durch die Pflege eines Angehörigen wird Gewalt aber auch von Pflegenden ausgeübt. 40 Prozent der Studienteilnehmer berichteten, im vergangenen halben Jahr gewalttätig gegenüber einem Pflegebedürftigen geworden zu sein. Auch hier lag der Anteil der psychischen Gewalt mit mehr als 30 Prozent am höchsten. Aber auch physische Gewalt, Vernachlässigung und freiheitsentziehende Maßnahmen spielten eine Rolle.

Die Studie erfasste auch die Vorstufen von Gewalt, die durch die belastende Pflegesituation entstehen. So fühlten sich viele pflegende Angehörige oft niedergeschlagen, knapp ein Drittel war häufig verärgert. Mehr als die Hälfte hatte zum Teil den Eindruck, dass die pflegebedürftige Person ihre Hilfe nicht zu schätzen weiß. Und ein Viertel der Befragten hätten ihren pflegebedürftigen Angehörigen bereits „vor Wut schütteln können“.

Das ZQP fordert angesichts dieser Zahlen mehr Unterstützung für pflegende Angehörige. Derzeit können diese in Pflegeschulungen und Pflegeberatungen lernen, wie sie mit Wut, Aggressionen und Gewaltverhalten in der Pflege umgehen können – ein Rechtsanspruch darauf besteht bereits. Das ZQP hat außerdem eine eigene Internetseite zur Gewaltprävention in der Pflege eingerichtet, zu der auch eine Datenbank für Beratungsstellen gehört.

In Deutschland werden fast drei Viertel der rund drei Millionen pflegebedürftigen Menschen zu Hause versorgt, 1,4 Millionen ausschließlich durch Angehörige.