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Aktuelle Pflegestatistik: Zahl der Pflegebedürftigen wächst stärker als Zahl der Mitarbeiter

Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ist es seit Anfang 2017 zu einem starken Anstieg der Pflegebedürftigen in Deutschland gekommen. Um fast 20 Prozent nahm deren Zahl laut der aktuellen Pflegestatistik der Bundesregierung zu. Die Zahl der Pflegekräfte stieg dagegen nur um etwa zehn Prozent an.


Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, belief sich die Zahl der Pflegebedürftigen zum Jahresende 2017 deutschlandweit auf rund 3,41 Millionen Menschen. Bei der vorigen Erhebung im Dezember 2015 hatte sie noch bei rund 2,86 Millionen gelegen. Das entspricht einem Anstieg von gut 19 Prozent, der vor allem auf den zum Jahresbeginn 2017 erweiterten Pflegebedürftigkeitsbegriff zurückzuführen ist, der mehr Menschen zu Leistungsempfängern gemacht hat.

Allerdings ist ein Großteil dieser neuen Pflegebedürftigen dem Pflegegrad 1 zuzuordnen, der Personen ohne Sachleistungsanspruch, aber mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz umfasst. Ohne den Zuwachs an Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 1 läge der Anstieg bei den Pflegebedürftigen insgesamt bei gut 13 Prozent.

Drei Viertel aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt

Mit der Zunahme von Pflegebedürftigen mit vor allem niedrigeren Pflegegraden erhöhte sich allerdings auch die Zahl der zu Hause versorgten Menschen. Sie stieg um 25 Prozent. Insgesamt werden nun rund drei Viertel der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt, wobei die Angehörigen in den meisten Fällen die Pflege alleine übernehmen. Ein Viertel aller Pflegebedürftigen in Deutschland – 829.958 Personen – wird zudem von einem ambulanten Pflegedienst betreut.

Mit der Zahl der Pflegebedürftigen stieg somit auch die Zahl der ambulanten Pflegedienste, mit 5,5 Prozent im Vergleich allerdings in deutlich geringerem Umfang. Auch die Zahl der Beschäftigten in den deutschen Pflegediensten wuchs mit 9,8 Prozent nur halb so stark wie die Zahl der Pflegebedürftigen. Laut Statistik versorgt jeder Pflegedienst durchschnittlich 59 Kunden.

LfK: „Alarmierende Zahlen“

Der Großteil der Beschäftigten in der ambulanten Pflege arbeitet in Teilzeit – mehr als 70 Prozent insgesamt. Rund 40 Prozent sind zudem 50 Jahre und älter. „Im Hinblick auf die demografische Entwicklung sollten bei solchen Zahlen die Alarmglocken klingeln“, warnt LfK-Geschäftsführer Christoph Treiß. „Die Ausbildungszahlen in der ambulanten Pflege haben zwar ebenfalls um fünf Prozent zugenommen, doch angesichts dieser Zahlen ist offensichtlich, dass die Anstrengungen in diesem Bereich noch weiter hochgeschraubt werden müssen.“

Dass eine Versorgungslücke drohe, sei bereits häufig berichtet worden. Die aktuelle Statistik zeige jedoch noch einmal die Dringlichkeit, mit der neuer Pflegenachwuchs gewonnen werden müsse. „Jeder einzelne Ausbildungsplatz zählt“, so Treiß.