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Aktuelles | 24.05.2024

Häusliche Pflege: Belastung der Angehörigen gestiegen

Pflegende Angehörige mussten 2023 sechs Stunden mehr für Pflegetätigkeiten aufwenden als noch 2019. Auch die privaten Zuzahlungen für die professionelle Pflege sind gestiegen. Dies sind zentrale Ergebnisse einer nach Pflegegraden repräsentativen Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), die jetzt vorgestellt wurde.

In der häuslichen Pflege sind private Zuzahlungen notwendig, wenn die eingekauften Leistungen von professionellen Anbietern nicht oder nicht vollständig von der Pflegekasse übernommen werden. 45 Prozent der Befragten gaben an, dass sie eine private Zuzahlung leisten mussten.

Dabei betrug im Jahr 2023 die durchschnittliche Zuzahlung für die Leistungen von Pflegediensten 325 Euro monatlich – und damit rund 125 Euro mehr als im Jahr 2019. Da das WIdO-Institut neben der aktuellen Umfrage auch eine Vorgänger-Befragung im Jahr 2019 durchgeführt hatte, ist ein Vergleich der Situation pflegender Angehöriger damals und heute möglich.

Tages- und Verhinderungspflege

Bei der Tagespflege ist die mittlere Höhe der Zuzahlungen zwischen 2019 und 2023 weniger stark gestiegen: 2019 lag diese bei rund 234 Euro, 2023 belief sie sich auf 299 Euro. Bei der Verhinderungspflege änderten sich die Ausgaben innerhalb dieses Zeitraums am wenigsten: von 77 auf 87 Euro monatlich.

Besonders hohe Zuzahlungen müssen der Befragung zufolge beispielsweise Haushalte leisten, in denen demenziell Erkrankte leben, ein hoher Pflegegrad vorliegt oder bei denen eine längere Dauer der Pflegesituation besteht. Ein höheres Haushaltseinkommen geht dabei nicht mit dem Hinzukaufen von mehr Dienstleistungen einher, so die Forscher.

Zeitlicher Aufwand gestiegen

Der durchschnittliche Zeitaufwand für pflegende Tätigkeiten von Angehörigen lag 2023 mit 49 Wochenstunden deutlich höher als der Zeitaufwand im Jahr 2019 mit 43 Wochenstunden. Verbunden mit der zeitlichen Belastung war auch eine reduzierte Erwerbsarbeit. Weniger als die Hälfte der befragten Hauptpflegepersonen arbeiteten in Vollzeit. 28 Prozent hatten ihre Erwerbstätigkeit aufgrund der Pflege ganz aufgegeben.

Mehr als jede zweite Hauptpflegeperson wünscht sich laut Umfrage mehr Unterstützung. Dies gilt für die Grundpflege (62,5 Prozent), aber auch für die Betreuung und Beaufsichtigung im Alltag (56,5 Prozent). Dennoch gaben fast zwei Drittel der befragten Hauptpflegepersonen (61,7 Prozent) an, dass sie keinen Pflegedienst in Anspruch nehmen und Pflegegeld beziehen. Etwa jeder Zweite nutzt den Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI für alltagsnahe Unterstützungsleistungen.

Hohe Kosten, kein Bedarf

Trotz gestiegener Zuzahlungen scheinen die privat zu tragenden Kosten nicht der Hauptgrund für die Nicht-Nutzung professioneller Pflegedienstleistungen zu sein. Am häufigsten bezeichneten die Befragten den fehlenden Bedarf (51 Prozent bei ambulanten Pflegediensten und 56 Prozent bei Tagespflegen), gefolgt von der Aussage „Der Pflegebedürftige will nicht von Fremden gepflegt werden“, als Erklärung für die Nicht-Inanspruchnahme dieser Angebote.

Mögliche Zuzahlungen als Grund zur Ablehnung der Angebote führten 18 (bezogen auf die ambulanten Pflegedienste) bzw. rund 13 Prozent (bezogen auf die Tagespflegen) der Befragten auf. Dass das Pflegegeld für laufende Ausgaben benötigt und deshalb auf Sachleistungen durch Pflegedienste verzichtet werde, bestätigten circa 14 Prozent der Umfrageteilnehmer. Je rund sechs Prozent nutzten nach eigenen Angaben keinen Pflegedienst oder keine Tagespflege, weil es vor Ort keinen Anbieter gab, der freie Zeiten oder Plätze hatte.

Hintergrund

Für die Studie hatte das WIdO-Institut im August und September 2023 rund 1.000 Hauptpflegepersonen befragt, die ihre Angehörigen in der häuslichen Umgebung pflegen.