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Aktuelles | 26.01.2024

Studie: Keine Kündigungswelle wegen Corona

Pflegefach- und -hilfskräfte sind ihrem Beruf und ihrem Arbeitgeber während der Pandemie treu geblieben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die Ende Januar veröffentlicht wurde. Dennoch bleibt die Personalsituation in der Pflege nach einer Prognose des Statistischen Bundesamts auch in Zukunft angespannt.

Entgegen den Befürchtungen hat die Corona-Pandemie zu keinen massenhaften Jobwechseln in der Pflege geführt. Ein Personalabgang von Pflegekräften aufgrund der gestiegenen Belastungen ist den Autoren der IAB-Studie „Pflegeberufe und Covid-19-Pandemie“ zufolge ausgeblieben. Dies gilt zumindest für die Entwicklung bis Ende 2021.

Den Forschern zufolge ist die Zahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Fach- und Hilfskräfte in Pflegeberufen in den Kliniken, Heimen und ambulanten Pflegediensten von 2016 bis 2021 um 80.000 Personen beziehungsweise um 8,5 Prozent gestiegen. Anteilig am stärksten – um 32 Prozent – nahm dabei die Zahl der Pflegehilfskräfte in der ambulanten Pflege zu. Die Zahl der Pflegefachkräfte stieg in Krankenhäusern und in der ambulanten Pflege um etwa fünf Prozent, nur in Heimen nahm sie leicht ab.

Fluktuation: Kaum Anstieg währen der Pandemie

Die Beschäftigungsverhältnisse haben sich als ähnlich stabil erwiesen wie vor der Pandemie, so die Forscher. Für ihre Studie haben sie die Fluktuation in einem Zeitraum vor der Pandemie und in einem Zeitraum während der Pandemie beobachtet.

Sowohl vor als auch während der Pandemie seien die Beschäftigungsverhältnisse in den Kliniken am stabilsten gewesen. In der ambulanten Pflege fand innerhalb eines Jahres bei 15 Prozent der Fachkräfte ein Betriebswechsel statt. Diese Höhe der Fluktuation sei jedoch sowohl vor als auch während der Pandemie zu beobachten. „Insgesamt scheinen sich damit die Befürchtungen nicht bestätigt zu haben, dass aufgrund der gestiegenen Belastungen in der Covid-19-Pandemie mehr Pflegekräfte den Gesundheits- und Pflegesektor verlassen würden“, fassen die Autoren der IAB-Studie zusammen.

Demografie-Problem bleibt

Für die kommenden Jahre weisen die Forscher dennoch auf einen wachsenden Ersatzbedarf hin, der durch den Renteneintritt vieler Pflegekräfte entsteht. Nach einer neuen Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes werden in Deutschland bis zum Jahr 2049 voraussichtlich zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte fehlen. Demnach wird der Bedarf an erwerbstätigen Pflegekräften auf 2,15 Millionen im Jahr 2049 steigen.

Für seine jetzt veröffentlichte Prognose entwickelte das Bundesamt zwei Varianten mit unterschiedlichem Fokus auf demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen:

1. Die so genannte „Trend-Variante“ berücksichtigt neben der demografischen Entwicklung auch die positiven Trends am Pflegearbeitsmarkt. Nach dieser günstigsten Variante läge die Zahl der Pflegekräfte im Jahr 2034 um 90 000 unter dem erwarteten Bedarf. Bis 2049 würde sich diese Lücke weiter auf voraussichtlich 280.000 Pflegekräfte vergrößern.

2. Die „Status quo-Variante“ zeigt dagegen nur die Auswirkungen der demografischen Entwicklungen auf die künftige Zahl der Pflegekräfte. Da in den nächsten zehn Jahren Pflegemitarbeiter der Babyboomer-Generation das Rentenalter erreichen, würde die Zahl der Pflegekräfte bis 2049 von 1,62 Millionen auf 1,46 Millionen sinken. Nach dieser Variante würden im Jahr 2034 rechnerisch 350.000 Pflegekräfte fehlen. Bis zum Jahr 2049 würde sich diese Lücke sogar auf 690.000 fehlende Pflegekräfte ausweiten.