Presse | 25.04.2012
LfK veranstaltet erfolgreich "2. Pflegedienst-Betriebsvergleich NRW"
Immer mehr Pflegebedürftige, dramatischer Anstieg der Demenz-erkrankungen, Fachkräftemangel in der Pflege, überlastete Angehörige - die demographische Entwicklung in Deutschland sorgt zunehmend für warnende Schlagzeilen. Die Bundesregierung nimmt sich der Versorgung Pflegebedürftiger aktuell mit hoher Priorität an, ein "Pflegeneuausrichtungsgesetz" ist auf dem Weg. Doch die Hauptakteure müssen auch wirtschaftlich fit bleiben, gerade in Zeiten knapper Sozialkassen. Wie ambulante Pflegedienste den Spagat zwischen menschenwürdiger Pflege und knallharten Kalkulationen am besten bewältigen, zeigte der Landesverband freie ambulante Krankenpflege e. V. (LfK) am Mittwoch beim "2. Pflegedienst-Betriebsvergleich NRW".
Rund 60 Pflegeunternehmer kamen zur hochkarätigen Tagung des Ver-bands ins Kölner Schokoladenmuseum, um Antworten zu finden auf Fragen, mit denen sich jeder Pflegedienst-Inhaber auseinandersetzen muss: Wie leite ich meinen Betrieb erfolgreich? Wie vermeide ich Liquiditätsengpässe? Welche Finanzierung ist die beste für meinen Fuhrpark? Fragen, die eine wichtige Rolle in der Versorgung Pflegebedürftiger spielen können. Denn nicht wenigen Pflegediensten steht das Wasser in Zeiten hoher Benzinkosten, fehlender Fachkräfte und einer sinkenden Zahlungsmoral der Kostenträger buchstäblich bis zum Hals. Und jede Insolvenz verschärft den Versorgungsengpass.
Eine stabile wirtschaftliche Grundlage ist daher umso wichtiger - selbst wenn für viele Pflegedienst-Inhaber die bestmögliche Versorgung der Patienten im Vordergrund steht. "Ohne eine gesunde wirtschaftliche Basis kann ambulante Pflege heute nicht funktionieren", weiß Jörg Engels, Geschäftsführer der LfK Fördergesellschaft für ambulante Pflegedienste mbH. Die Erfolgsmessung auf der Grundlage von Kennzahlen und betriebswirtschaftlichen Daten hält der Kaufmann daher für unumgänglich. Beim Pflegedienst-Betriebsvergleich NRW präsentierte er zum zweiten Mal nach 2010 eine Vielzahl unveröffentlichter Daten und Kennzahlen, die den Unternehmern zeigten, welche Ergebnisse anzustreben sind.
Der Vergleich mit den Kollegen und den Besten der Branche stellte vertrauliche und streng gehütete Betriebsdaten der regionalen Mitbewerber in anonymisierter Form vor. Dazu zählten beispielsweise konkrete Kennzahlen zu Kfz- und Personalkosten oder zur Umsatzentwicklung. "Unser landesweiter Vergleich ist in Nordrhein-Westfalen nach wie vor der einzige seiner Art", berichtet LfK-Geschäftsführer Christoph Treiß. "Wir freuen uns, unseren Verbandsmitgliedern mit diesen Daten eine Hilfestellung an die Hand zu geben, wie sie ihre Existenz langfristig sicherstellen können - und damit die ambulante Versorgung von Pflegebedürftigen in ganz NRW."
500.000 Pflegebedürftige werden in den eigenen vier Wänden versorgt
Das ist gut so - denn der Bedarf an ambulanter Pflege wird in den kommenden Jahren eher zu- als abnehmen. Bereits 2009 wurden mehr als zwei Drittel der landesweit über 500.000 Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Wie der jetzt veröffentlichte "Landesbericht Gesundheitsberufe 2011" zeigt, wird die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 in den meisten Gebieten Nordrhein-Westfalens voraussichtlich um mindestens 50 Prozent zunehmen - 200.000 Patienten mehr als heute wollen dann versorgt werden.
Der Fachkräftemangel wird in der Pflege angesichts des demographischen Wandels zunehmend zum Problem. Bereits aktuell fehlen dem Landesbericht zufolge 2.500 Fachkräfte in der Pflege. Die meisten Pflegebedürftigen wollen auch im Alter in ihren eigenen vier Wänden bleiben. "Ambulant vor stationär" lautet demnach der Grundsatz, dem sich die Politik schon vor Jahren verschrieben hat. Mit dem Pflegeneuordnungsgesetz, das Gesundheitsminister Daniel Bahr Ende Januar vorgelegt hat, will die Regierung diesem Grundsatz entsprechen. Die Pflegesätze für die Betreuung zu Hause sollen ab 2013 steigen. Eine Beitragsanhebung von 0,1 Prozent soll etwa 1,1 Milliarden Euro zusätzlich in die Kassen der Pflegeversicherung spülen, die vor allem Demenzkranken zugutekommen sollen.