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Presse | 15.06.2012

Ab 1. Juli Preisanstieg in der Pflege

Pflegeleistungen werden in Nordrhein-Westfalen ab Juli teurer. Fast alle ambulanten Pflegedienste erhöhen zum Monatsanfang ihre Preise um rund sechs Prozent. Auch die Versorgung in Pflegeheimen kostet dann mehr: Hier können die Kosten für die Bewohner um 2,18 Euro pro Tag steigen. Grund ist ein neues Umlageverfahren zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Pflege. Über eine landesweit erhobene Abgabe will die Landesregierung die Finanzierung von Ausbildungsplätzen gerechter gestalten.

Bislang galt in der Altenpflege: Wer ausbildet, war oft der Dumme. Um die Kosten für die Ausbildung von Pflegenachwuchs abzufedern, waren Ausbildungsbetriebe oft etwas teurer als Wettbewerber, die nicht selbst ausbildeten. Dieser Wettbewerbsnachteil soll ab Juli verschwinden. Der Landtag in Düsseldorf hat dazu ein Umlageverfahren beschlossen: Alle Pflegedienste und Heime zahlen in einen gemeinsamen Topf ein. Daraus werden künftig die Gehälter der Auszubildenden finanziert. Die Ausbildungsbetriebe erhalten die entsprechenden Beträge erstattet und können so ihren Wettbewerbsnachteil kompensieren.

Gleichzeitig führt das neue Umlageverfahren in vielen Fällen zu Preiserhöhungen in der Pflege. "Um die zusätzliche Belastung auszugleichen, ist ein Großteil der Pflegedienste und Heime gezwungen, ihre Leistungen zu verteuern", erläutert die Vertragsarbeitsgemeinschaft der privaten Verbände in Nordrhein-Westfalen (VAG NW), deren Mitglieder nahezu sämtliche privaten Pflegeeinrichtungen im Land repräsentieren. Eine einvernehmliche Vereinbarung mit den Pflegekassen in Nordrhein-Westfalen sieht vor, dass alle Preise bei ambulanten Pflegediensten um 0,279 Cent pro Punkt und in Heimen um 2,18 Euro pro Tag steigen können. Im Bereich der Tages- oder Nachtpflege beträgt der Zuschlag 1,08 Euro pro Platz. Bei Betrieben, die schon vor dem 1. Juli mehrere Auszubildende gleichzeitig beschäftigten, können die Preise dagegen sinken. So werden die Ausbildungsbetriebe gestärkt. Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen, dass dieses System funktioniert und eine steigende Zahl von Auszubildenden hervorbringt - für eine sichere Zukunft der Pflege.