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2. LfK-Wundkongress Pflege: Neuer Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt

Köln / Dortmund – Der von der Fachwelt lang erwartete aktualisierte Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ ist am vergangenen Mittwoch erstmals vor einem größeren Publikum dargestellt worden. Auf dem 2. LfK-Wundkongress Pflege in Dortmund erfuhren die Teilnehmer aus erster Hand, welche Neuerungen in der pflegerischen Behandlung von chronischen Wunden künftig zu beachten sind.


Norbert Kolbig präsentierte den aktualisierten Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ auf dem 2. LfK-Wundkongress Pflege in Dortmund.

Brigitta Kowollik demonstrierte den Teilnehmern beim 2. LfK-Wundkongress Pflege die unterschiedlichen Wickeltechniken bei Ulcus Cruris und anderen chronischen Wunden.

Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) hatte Ende September bekannt gegeben, dass die aktualisierte Fassung des 2008 erstmals konsentierten Expertenstandards voraussichtlich Ende Oktober für die Öffentlichkeit verfügbar sein würde. Auf der Grundlage einer aktuellen Literaturstudie hatte ein Expertenteam Standard und Kommentierungen angepasst. Referent Norbert Kolbig, Fachautor und Empfehlungsgeber bei der Aktualisierung des Expertenstandards, stellte die Inhalte auf dem 2. LfK-Wundkongress Pflege zum ersten Mal detailliert vor.

„Das Augenmerk bei der aktualisierten Fassung liegt auf dem Patienten – er steht mit seinem Leben, seiner Person und seiner Biografie im Vordergrund“, erklärte Norbert Kolbig. „Zuvor wurde der Mensch zumindest auf dem Papier oft auf seine Wunde reduziert.“ Was in der Praxis häufig schon anders gelebt wird, ist im aktualisierten Standard nun auch schriftlich festgehalten. Der Fokus wird dabei auf das individuelle Krankheitsverständnis und -erleben des Betroffenen im pflegerischen Assessment gelegt. Patient und Behandlungsteam gelten als gleichberechtigte Partner beim Erstellen von Therapiezielen. Die Kompetenzen der Pflegekräfte müssen daher gestärkt werden, so die Forderung im Expertenstandard.

Dekubitus: Neue Erkenntnisse aus der internationalen Forschung

Auch zum Thema „Dekubitus“ gab es auf dem 2. LfK-Wundkongress Pflege Neues zu berichten. Die Chirurgin Dr. Birgit Leyens zeigte in Dortmund, welche Neuerungen sich vor allem in der internationalen Forschung auf diesem Gebiet ergeben haben. So schreibt das Europäische Beratungsgremium für Dekubitus EPUAP für die Einteilung des Dekubitus nun Kategorien statt Graden vor – unter anderem die neuen Kategorien „nicht klassifizierbar“ und „Verdacht auf tiefe Läsion“. Dr. Leyens stellte den Gästen der LfK-Veranstaltung die neue Einteilung detailliert vor und ließ sie zum Abschluss anhand von Beispielbildern die einzelnen Kategorien selbst einschätzen.

„Wichtig ist vor allem, den Unterschied zwischen Dekubitus und Mazeration zu erkennen“, erklärte Dr. Leyens. „Das geht aber nur, wenn die Pflegefachkräfte entsprechend geschult sind.“ Sie appellierte daher an die Teilnehmer, Wert auf eine fachgerechte Wundbeobachtung und -einschätzung sowie auf eine entsprechende Dokumentation zu legen. Schulungen der Mitarbeiter seien hierbei das A und O, zum Beispiel über die Datenbank des EPUAP.

Kompressionstherapie: Wickeln ist nicht gleich wickeln

Praktische Beispiele zeigte auch Brigitta Kowollik, ihres Zeichens Expertin für Kompressionstherapie, den Teilnehmern beim 2. LfK-Wundkongress Pflege. „Durch falsches Wickeln entstehen oft massive Wunden“, berichtete sie. „Wer die richtige Wickeltechnik beherrscht, kann jedoch auch Wunden wieder auf den Weg der Besserung bringen, die andere schon als nicht mehr therapierbar aufgegeben haben.“ Für jede Erkrankung gibt es eine spezielle Wickeltechnik sowie Materialien, die auf die spezifischen Anforderungen abgestimmt werden sollten. „Pflegerische Kompetenz spielt dabei genauso eine Rolle wie personelle Kontinuität bei der Versorgung“, erklärte Brigitta Kowollik.

Die Bedeutung der fachlichen Kompetenz betonte auch Dr. Carsten Meyer, Leiter der Klinik für Schmerzmedizin am Klinikum Dortmund. Er stellte die Schmerztherapie aus medizinischer Sicht dar. „Die individuelle Schmerztherapie sollte von Anfang bis Ende genau geplant sein“, erläuterte er. „Man kann nicht einfach immer weiter machen, weil der Hausarzt die Medikamente weiter verschreibt.“ Dabei spiele jedoch auch die Verwendung des richtigen, wirksamen Therapeutikums eine Rolle.

Was passiert, wenn medikamentöse Therapien versagen, zeigte der Krankenhaushygieniker Rainer Belz auf. „Wundinfektionen sind eine zunehmende Bedrohung nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in der Pflege“, warnte er. Anhand von aktuellen Beispielen zeigte Belz, dass auch sportliche und gesunde Menschen sich durch banale Infektionen Keime einfangen können, die durch heutige Methoden nicht mehr zu bändigen sind. Ein professionelles Hygienemanagement gehört daher auch in der ambulanten und stationären Pflege zum Versorgungsalltag.

Deutlich wurde zudem: Sowohl in der Medizin als auch in der Pflege gibt es unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema „Behandlung chronischer Wunden“. So sprach sich Jörg Diekmeyer, Vorsitzender des Berufsverbands der Wundtherapeuten NRW, in seinem Vortrag für das Debridement als Behandlungsoption bei chronischen Wunden aus. „Jeder, der in der Wundbehandlung arbeitet, sollte trotzdem stets kritisch hinterfragen, ob überhaupt ein Debridement nötig und welche Art der Wundreinigung im Einzelfall angebracht ist“, betonte er.