Aktuelles | 07.04.2026
AOK: Immer jünger schon pflegebedürftig
Die Zahl der Menschen, die pflegebedürftig werden, bleibt seit 2019 auf einem konstanten Niveau. Das ergab eine neue Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Pflegebedürftigkeit beginnt jedoch früher und häufiger mit niedrigen Pflegegraden.

Die Ende März veröffentlichte Analyse des WIdO zeigt: Zwar ist der größte Teil der Menschen, bei denen erstmals eine Pflegebedürftigkeit festgestellt wird, mindestens 80 Jahre alt und die Zahl der AOK-versicherten Menschen ab 60 Jahren, die erstmals pflegebedürftig werden, liegt seit 2019 stabil bei rund 350.000 pro Jahr. Gleichzeitig verschiebt sich jedoch die Altersstruktur. Pflegebedürftigkeit tritt im Durchschnitt früher ein – zuletzt bereits mit rund 77,9 Jahren.
Besonders deutlich wächst die Gruppe der 60- bis 69-Jährigen, zeigt die Analyse. Zugleich starten mehr Menschen mit niedrigeren Pflegegraden: Pflegegrad 1 und 2 machen inzwischen rund 80 Prozent der Erstbegutachtungen der Medizinischen Dienste aus. Der Anteil von Menschen mit Pflegegrad 4 (3,8 Prozent) und 5 (1,3 Prozent) nahm dagegen deutlich ab.
Für ambulante Pflegedienste bedeuten frühere Pflegeeintritte und geringere Pflegegrade zunächst mehr langfristige Begleitung, Beratungsbedarf und Unterstützung im Alltag, zumal der Großteil der Leistungsempfänger alleine Pflegegeld bezieht. Die Ergebnisse unterstreichen zudem die Bedeutung ambulanter Strukturen und präventiver Ansätze: Angebote zur Stabilisierung, Anleitung und Entlastung pflegender Angehöriger gewinnen weiter an Gewicht und können dazu beitragen, höhere Pflegegrade hinauszuzögern.